ThULB Jena, Buchregal und aufgeschlagene Handschrift im Präsentationsraum der Bibliotheca Electoralis
Trotz vieler wissenschaftlicher Untersuchungen ist Friedrich der Weise, der Mann, der eine Kaiserkandidatur zurück zog und seine schützende Hand über Luther hielt, noch nicht in allen seinen Facetten bekannt. Als Kunstförderer und politisch interessierter Zeitgenosse tritt uns Friedrich heute entgegen, doch seine wissenschaftlich-humanistischen Ambitionen verstecken sich hinter der Wittenberger Universitätsgründung. Deren Bibliothek wird im Rahmen des DFG-Projekts erstmals eingehend untersucht.
ThULB Jena, Buchregal im Präsentationsraum der Bibliotheca Electoralis
ThULB Jena, Buchregal im Präsentationsraum der Bibliotheca Electoralis
Das Altersporträt des Prinzenerziehers und Bibliothekars am sächsischen Hof zeigt einen Mann, der seine Kräfte wohl bei dem ihm aufgetragenen Werk verbrauchte. Seit ca. 1510 hat er die Aufgaben eines Bibliothekars in Wittenberg übernommen. Gut ausgebildet und vielseitig interessiert klagte der junge Mann seinem Mentor Mutian des Öfteren darüber, dass er bei Hofe nicht seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werde. An seinem Lebensende aber konnte er als Superintendent von Altenburg, wie auf dem links abgebildeten Stich spürbar, stolz auf sein Lebenswerk zurückschauen, zu dem auch die Bibliotheca Electoralis gehört.
ThULB Jena, Graphiksammlung Nr. 507. Stich von Johann Georg Göbel (1671-1719)
ThULB Jena, Graphiksammlung Nr. 507. Stich von Johann Georg Göbel (1671-1719)
Der Mentor Spalatins war der den Erfurter Humanistenkreis lenkende, aber in Gotha residierende Conrad Mutian genannt Rufus. Er empfahl Spalatin an den Hof nach Wittenberg, stand weiter in ständigem Kontakt mit seinem Schützling, gab diesem wertvolle Tipps und knüpfte für ihn wertvolle Verbindungen (z.B. mit dem Verleger Aldus Manutius) für den Aufbau der Bibliothek, wie der reichhaltige Briefwechsel Mutians belegt. Damit hielt auch der Erfurter Humanismus in der neu gegründeten Universität Wittenberg Einzug. Eine andere bekanntere Verbindung, daran sei hier erinnert, war mit der Berufung des Erfurter Universitätsabsolventen Luther auf eine Professur nach Wittenberg geschaffen worden.
ThULB Jena, 2 Phil. IV, 13a
ThULB Jena, 2 Phil. IV, 13a
Ein Beispiel für die enge Verbindung Friedrichs des Weisen mit Buchdruckern, Autoren und Gelehrten humanistischen Zuschnitts ist die in einer Inkunabel dargestellte Szene, in der der deutsche „Erzhumanist“ Conrad Celtis dem sächsischen Kurfürsten einen Band der von ihm initiierten Gesamtausgabe Roswithas von Gandersheim überreicht und zugleich ihm widmet.
ThULB Jena, 2 Art. lib. IX, 2
ThULB Jena, 2 Art. lib. IX, 2
Mehrere Versionen von Katalogen der Wittenberger Schloss- und Universitätsbibliothek nach der persönlichen Niederschrift Spalatins sind uns erhalten. Neben der Aufstellungssystematik legte Spalatin wohl auch ein Verzeichnis nach Autoren an. Ja sogar stichpunktartige Aufzeichnungen über zu beschaffende Bücher liegen uns vor. Nach der von Johann Wolfgang von Goethe um 1820 initiierten Neuaufstellung sind diese Aufzeichnungen ein wesentliches Instrument, die Bibliotheca Electoralis in ihrem Bestand zu rekonstruieren.
ThULB Jena, Ms. App. 22 B (1)
ThULB Jena, Ms. App. 22 B (1)
Et patris, et patrui, famam, virtutibus, aequat,
Qui patris et patrui, nobile nomen habet.
Adserit, invicto divinum pectore verbum,
Et Musas omni dexteritate iuvat
Hinc etiam ad promptos studiorum contulit usus,
Inspicis hoc praesens quod modo Lector opus.
Gedruckte Beischrift zum "Ex Libris" Kurfürst Johann Friedrichs I. (vgl. weiter unten):
Gedruckte Beischrift zum "Ex Libris" Kurfürst Johann Friedrichs I. (vgl. weiter unten):
Beide Neffen Friedrichs des Weisen, Johann Friedrich und Johann Ernst, fühlten sich dem Erbe des Onkels und des Vaters verpflichtet. Die Vertreter der jüngeren Generation zeigen sich als Buchliebhaber und „gelehrte Fürsten“. Mit Wappen und Verszeile machen sie bereits auf dem Buchdeckel auf ihre Lesefreude und auf ihren Besitzerstolz aufmerksam. Das Bild zeigt einen Einband für den weniger bekannten jüngeren Bruder Johann Ernst.
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
Noch deutlicher wird der Besitzerstolz und auch die darin liegende Verpflichtung mit den „Ex Libris“ des regierenden Kurfürsten Johann Friedrich (bis 1548), der, wie sein stolzes Motto zeigt, sich ganz in die Tradition seines Onkels stellte. In vollem kurfürstlichen Ornat steht er im Halbfigurenporträt vor uns, umrahmt durch eine auf vier Seiten umlaufende Wappensammlung. In derselben Pose, aber nur mit sechs Wappen in einer oberen und unteren Leiste, lässt sich Johann Friedrich auf einem weiteren „Ex Libris“ darstellen. Hier tritt uns ein Beispiel sich wandelnder herrscherlicher Standesrepräsentanz (vgl. etwa auch Kaiser Maximilian) durch Buchbesitz und Wissen entgegen.
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
Für den gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch um 1500 steht dieses Bild. Die Gelehrtenwelt mit Buch und Schreiber in der unteren Hälfte ist zusammengebunden mit der Glaubenswelt in der oberen Hälfte des Bildes, in der die göttliche Trias umgeben vom himmlischen Chor die Strahlen der Weisheit auf die Gelehrtenstube strahlen lässt. Das stolze Motto über der Darstellung verrät deutlich die Aufbruchstimmung, wenn es am Ende heißt: „Den Germanen (= Deutschen) gebe ich ihre angemessene Würde (ihren Stolz) zurück“.
ThULB Jena, 2 Jur. XVI, 19
ThULB Jena, 2 Jur. XVI, 19
Layen Spiegel. Von rechtmässigen ordnungen in Burgerlichen und peinlichen regimenten.
ThULB Jena, 2 Jur. XVI, 19
ThULB Jena, 2 Jur. XVI, 19
Die gerade von der venezianischen Presse des Aldus Manutius angestoßene Mode, Werke griechischer Autoren, besonders der Antike, aus griechischen Handschriften in den Druck zu geben und damit einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war so verbreitet, dass man in der Eile auch die aus den Handschriften in den Druck übernommenen Kürzel nicht auflöste. Deshalb sah sich Manutius veranlasst, in einen Band seiner Druckwerke ein griechisches Abbreviaturverzeichnis einzurücken. Der Band unter dem Titel „Grammaticae Institutiones“ war von Aldus Manutius selbst verfasst worden und 1515 (im Todesjahr von Manutius) in Venedig im Druck erschienen.
ThULB Jena, 4 Gl. III, 12
ThULB Jena, 4 Gl. III, 12
Nicolaus Leonicenus, De varia historia, neu herausgegeben Basel (Verlagshaus Froben) 1531
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
ThULB Jena, 4 Med. XII, 2
Das von Kardinal Cisneros angestoßene und geförderte Projekt einer mehrsprachigen Bibelausgabe an der Universität von Salamanca war der Versuch, philologischer Kritik an den überlieferten Bibelübersetzungen ein Arbeitsinstrument an die Hand zu geben. Dass der bereinigte Text des Alten und Neuen Testaments ein Thema der Gelehrtenwelt der Zeit war, unterstreicht dieses Unternehmen eindrucksvoll. „Chaldäisch“, griechisch und lateinisch sowie hebräisch sollte der Text nach guten Handschriftenvorlagen synoptisch (nebeneinander) zusammengestellt werden, um Übersetzungen und Interpretationen zu überprüfen. Das AT erschien seit 1517, das NT dagegen gelangte erst nach Erasmus' Ausgaben an das Licht der Öffentlichkeit Ein Nutznießer davon waren neben Luther sicher auch die anderen Reformatoren und Theologen, die sich auf die Schrift als einziger Gewähr für die Verkündigung (Sola Scriptura - Solus Christus) beriefen. Welche neuen Probleme aber gerade in dieser Anschauung lagen, zeigt nicht zuletzt der Streit um die Einsetzungsworte beim sogenannten Abendmahlsstreit. Quellenkritik und Philologie allein reichten also nicht aus, die Kirche auf neue Grundlagen zu stellen.
ThULB, Jena, 2 Theol. IX, 1a
ThULB, Jena, 2 Theol. IX, 1a