Entsprechend diesem Bezugsrahmen gestaltet sich die inhaltliche Zusammensetzung der Bibliothek. Dabei legte Friedrich der Weise auch in dynastischem Interesse großen Wert auf das hohe wissenschaftliche Niveau seiner Sammlung, in welcher höfische und humanistische Elemente eine enge Symbiose eingehen. Im Druckbestand enthalten sind die griechischen und lateinischen Schriftsteller des klassischen Altertums und solche der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, also Philosophen, Reden- und Geschichtsschreiber sowie Dichter und Schöpfer moralisch-erzieherischen Schrifttums. Hinzu kommen die Schriften der Kirchenväter, mittelalterliche Theologen und Autoren historischer Werke, ferner Grammatiken, Wörterbücher, medizinische, astronomische, ökonomische und juristische Schriften.
Hochkarätig ergänzt war die Sammlung durch Geschenke, Widmungsexemplare und Handschriften. Dem persönlichen Umfeld des Kurfürsten zuzuordnen sind ein Evangelistar (Signatur: ThULB, Ms. El. f. 1), ein Epistolar (Signatur: ThULB, Ms. El. f. 2) sowie Chorbücher der Alamire-Werkstatt mit buchmalerischen Ausgestaltungen in höchster Qualität. Während letztere dem Gründungsbestand der "Bibliotheca electoralis" selbst angehören, ist ein großer Teil der mittelalterlichen Handschriften klösterlicher Provenienz und kam als Säkularisationsgut hinzu. Ein kulturelles Monument eigener Klasse ist die ebenfalls zur "Bibliotheca electoralis" zählende Jenaer Liederhandschrift (Signatur: ThULB, Ms. El. f. 101), die neben der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Manesse-Codex) bedeutendste, größte und prachtvollste Handschrift mit deutscher Liedüberlieferung des Mittelalters, ohne die uns zahlreiche Autoren und Texte des Hochmittelalters unbekannt geblieben wären.