Der 'Wartburgkrieg'


Mitteldeutschland, um 1330
Pergament (1 Blatt - aus der Jenaer Liederhandschrift), 41,8 x 24-25,6 cm

Textumfang: 10 vollständige Strophen; Schlusszeile einer elften, Beginn einer zwölften Strophe (Fortsetzung der Jenaer Liederhandschrift, fol. 133r)

Studienbibliothek Dillingen · XV Fragm. 19

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Das aus der Jenaer Liederhandschrift stammende Blatt wurde 1917 von Alfred Schröder entdeckt, der zwar erkannte, dass es sich um Strophen aus dem 'Rätselspiel' des 'Wartburgkrieges' handelt, nicht aber die Herkunft aus dem Jenaer Codex. Es bildete dort einst das hintere Blatt des nach fol. 132 und vor fol. 133 fehlenden Doppelblattes. Im weiteren Verlauf diente es als Einband - daher auch die für diesen Zweck übliche Beschneidung aller vier Ecken - für eine Sammlung von 19 protestantischen Traktaten und Schriften, die zwischen 1546 und 1603 gedruckt wurden. Der Sammelband (Dillingen, Studienbibliothek, VI 893) war vermutlich ursprünglich Bestandteil der Bibliothek des Lauinger Gymnasiums illustre, von wo aus er in das nahe gele­gene Dillingen gelangte.

Ganz unklar ist, wann das Blatt herausgeschnitten wurde. Nimmt man an, dass dies geschah, bevor die Lagen der Jenaer Liederhandschrift zum ersten Mal gebunden wurden, also vor 1541, bleibt offen, wo sich das Blatt vor der Verwendung als Einband des Dillinger Sammelbandes, die nach 1603 liegen muss, befunden hat. Hinweise auf eine frühere Benutzung als Einband gibt es jedenfalls nicht.

Von den rund 20 Strophen, die mit dem Doppelblatt zwischen fol. 132 und 133 der Jenaer Liederhandschrift fehlen, ist damit rund die Hälfte der Stro­phen wieder zugänglich. Das Blatt überliefert in der ersten und dem Anfang der zweiten Spalte eine in den Parallelhandschriften C (Manessische Lieder­handschrift) und L ('Lohengrin') an anderer Stelle des 'Rätselspiels' integrierte Szene, in der der Teufel Nasion Wolframs Astronomiekenntnisse prüfen will. Es folgen vier Einzelstrophen, von denen drei bislang nur aus C bekannt wa­ren; die vierte, hier leider schwer lesbare Strophe, ist sonst unbekannt. Den Schluss bilden drei Strophen, in denen Klingsor ein Rätsel stellt, das Wolfram im Anschluss (auf fol. 133) lösen kann.

Jens Haustein

Literatur: Marburger Repertorium

Bildmaterial: Digitalisate

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