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Projektinformation

Während die Bedeutung des Weimarer Theaters für die Literatur- und Theaterwissenschaft wie für die deutsche Geistesgeschichte - zumal nach Abschluss des SFB 482 - von der Forschung umfassend untersucht ist, wurden aus der Erkenntnis, dass das Weimarer Theater im 19. Jahrhundert als Wirkungsstätte von Musikern mit europaweiter Strahlkraft (u.a. Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt und Richard Strauss) zu einer Spielstätte des Musiktheaters von Rang aufstieg, erst in Ansätzen die Konsequenzen gezogen. Für die wissenschaftliche Untersuchung dieser Entwicklung fehlten bislang die Grundlagen. Insbesondere sind grundsätzliche Fragen des Gesamtrepertoires und der Aufführungspraxis dieser Bühne noch nicht erforscht. Die Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters sind hierfür eine zentrale Quelle.

Im Rahmen des Projekts wurden nahezu 19.000 Theaterzettel zu Aufführungen des Weimarer Hoftheaters digitalisiert, erschlossen und für die Online-Präsentation im Rahmen der Universal Multimedia Electronic Library (UrMEL) wissenschaftlich aufbereitet. Der Bearbeitungszeitraum umfasst das Repertoire des Weimarer Hoftheaters im 19. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, d. h. bis zu seiner Umbenennung und künstlerischen Neuausrichtung als Deutsches Nationaltheater.

Die digitalisierten Theaterzettel werden hauptsächlich im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar (ThHStAW) sowie in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar (HAAB) verwahrt und sind in digitaler Form im Rahmen von UrMEL zugänglich. In weiteren Einrichtungen verwahrte Streubestände wurden im Projektzusammenhang ermittelt und in das Vorhaben eingebracht. Insgesamt sind aus dem Zeitraum 1782 bis 1790 knapp 200, aus dem Zeitraum von 1791 bis 1817 bereits über 4300 und aus dem Zeitraum von 1819 bis 1918 fast 19.000 Theaterzettel zu Aufführungen des Hoftheaters in verschiedenen Beständen u. a. des ThHStAW und der HAAB vorhanden, wobei zusätzlich auch kleinere Streubestände, beispielsweise aus der ThULB und dem GSA, eingearbeitet wurden. Dokumentiert werden sämtliche Sparten vom Sprechtheater über das Musiktheater und Ballett bis hin zu den öffentlichen Konzerten.

Wissenschaftlich erschlossen werden die Projektmaterialien durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Musikwissenschaft Weimar - Jena der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Der Aufbau einer datenbankbasierten Applikation für die Erschließung und Präsentation der digitalisierten Theaterzettel im Rahmen des Digitalen Archivs von UrMEL erfolgte durch die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) auf der Grundlage von MyCoRe. Als Basis für die Erschließung der digitalisierten Theaterzettel dienten Rohdatensammlungen, welche im Rahmen verwandter Projekte (Teilprojekt C8 des SFBs 482; Verzeichnung des Musikarchivs des DNT Weimar, 18.-20. Jh.; Eigenleistung der Projektpartner) gewonnen und in die UrMEL-Applikation migriert wurden. In UrMEL eingebrachtes biographisches Datenmaterial wurde im Projektrahmen mit Hilfe der Personennamendatei (PND; künftig GND) angereichert, indem die verfügbaren Personennamen den entsprechenden Nummern der PND zugeordnet wurden. Für den Bereich des Musiktheaters wurde hierbei auf die Datenbank des Internationalen Quellenlexikons RISM zurückgegriffen.

Die Digitalisierung erfolgte nach Maßgabe der DFG-Praxisregeln Digitalisierung. Sämtliche Digitalisate sind seitenbezogen über Uniform Resource Names (URN) erschlossen und auf der Basis von METS/MODS im DFG-Viewer betrachtbar. Die ThULB Jena stellt die dauerhafte Verfügbarkeit der im Projektrahmen gewonnenen Ergebnisse sicher. Es ist geplant, die im Projektrahmen erzeugten Digitalisate nebst Metadaten in übergreifende Informationssysteme und -verbünde zu integrieren (z. B. EUROPEANA, im Aufbau befindliche Deutsche Digitale Bibliothek, Landesportal thüringen.digital).

Zudem wurden die in ihrer Erhaltung gefährdeten Theaterzettel im Verlauf des Projekts mit Unterstützung durch die Bundessicherungsverfilmungsstelle Weimar auf alterungsbeständigem Mikrofilm gesichert.